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Wie müsste moderner Selbstschutz in Deutschland aussehen – und was muss der Staat dafür schaffen?

    • Wie müsste moderner Selbstschutz in Deutschland aussehen – und was muss der Staat dafür schaffen?

      Hello @ all,

      Preppen wird oft auf Vorräte, Taschenlampen und Fluchtrouten reduziert. Aber ist das wirklich der Kern von Vorsorge?

      Ich finde: Moderner Selbstschutz beginnt nicht beim einzelnen Bürger – sondern bei der Frage, welche Voraussetzungen Staat und Gesellschaft schaffen müssen, damit Menschen in einer Krise überhaupt handlungsfähig bleiben.

      Stellt euch einmal folgendes Szenario vor: Stromausfall, gestörte Kommunikation, überlastete Behörden, Lieferketten unterbrochen, vielleicht gleichzeitig ein Unwetter oder eine andere größere Krise. Keine Weltuntergangsfantasie – sondern eine Situation, in der ganz normale Strukturen für einige Tage oder länger nicht zuverlässig funktionieren.

      Dabei würde mich besonders interessieren, wo ihr die Verantwortung zwischen Bürger, Kommune, Bundesland und Bund ziehen würdet.

      Denn vielleicht ist die spannendste Frage überhaupt:

      Wie sähe ein Deutschland aus, in dem 80 Millionen Menschen nicht nur „versorgt werden müssen“, sondern im Krisenfall selbst einen Teil der Resilienz des Landes darstellen können?

      Lasst uns das einmal ohne Untergangsromantik und ohne politische Scheuklappen durchdenken.

      Was müsste ein Staat seinen Bürgern ermöglichen?
      Was sollte jeder Einzelne selbst beitragen?
      Und welche drei Maßnahmen würden Deutschland eurer Meinung nach sofort deutlich krisenfester machen?

      Ich bin gespannt auf eure Konzepte – gerne konkret, kontrovers und praxisnah.

      Grüße Südprepper
      Wer anderen hat voraus gedacht, wird jahrelang erst ausgelacht - Begreift man die Entdeckung endlich, so nennt sie jeder selbstverständlich (Wilhelm Busch)
    • Jeder Einzelne sollte schon mal die Standards des BBK umgesetzt haben. Denn egal was wir von den Behörden fordern, auch das braucht Zeit bis es getan wird und die Helfer sind auch alles nur Menschen. Diese Zeit bis erste Hilfe kommt sollte jeder "ohne Probleme" überstehen können.
      Der Staat sollte jedem ermöglichen, auch diese Standards umsetzen zu können, bzw. sollte aktiver werden um dieses Wissen zu verbreiten (siehe u.a. Später). Es sollte zu etwas vergünstigen Preisen "Vorrats"-Kits o.ä. geben. In versch. Varianten, damit es Auswahl gibt und die Menschen das auch jedes Jahr verbrauchen ums sich ein neues zu kaufen. Dann reichen auch Standard Dosen und Verpackungen. Das erhöht den Anreiz das zu kaufen und zu konsumieren. Dennoch soweit kontrolliert, dass es einigermaßen Ausgewogen ist und die Kalorienmenge passt. Die Industrie und der Staat sind bei der Werbung und Zusammenstellung bestimmter Produkte sonst auch kreativ genug, dass es viele kaufen.
      Hier war eben ein Punkt, wie Deutschland u.a. Krisenfester werden könnte.
      Dann ein Punkt bei dem ich mit selbst nicht so sicher bin, wie man das umsetzen könnte: Pflichtuntericht in den rudimentären Basics für Krisenfälle. Wie verhalte ich mich bei: Stromausfall, Flut, Erdbeben, Feuer im Haus, Feuer beim Nachbar, bei Personenräumungen, etc. Was sollte ich im Haus haben für bestimmte Situationen, was sollte Griffbereit sein wenn man schnell raus muss? Das sollte alles dazu dienen die Reaktions-und Schockzeit der Bevölkerung zu verkürzen, die Eigenversorgung erhöhen, die benötigten Fremd-Hilfsmittel zu reduzieren und die Zeit bis man externe Hilfe benötigt zu verlängern.
      Parallel dazu sollten EH Kurse ab der Schule eingeführt werden. JEDER sollte ein regelmäßig geschulter Ersthelfer sein. Wie viele PKW Fahrer hatten ihren letzten EH Kurs mit 17/18 für den Führerschein gemacht und das ist jetzt 10,20,30 Jahre her? Auch hier: Ziel ist es, die Rettungskräfte zu entlasten und die "Überlebenschancen" ohne externe Hilfe so lange wie möglich hinauszuzögern.

      Um das evtl. ein paar Prof. Bereiche zu schaffen: Geförderte Ehrenamtliche Vereine für ?Selbsthilfe?" Krisenhilfe? Oder eben angegliedert an die Freiwillige Feuerwehr/THW u.ä. Also Praktisch unser Forum nur als Verein auf Lokaler Ebene. Nennt es von mir aus eine Art Pfadfinder. Wenn wir annehmen durch mehr öffentlich Präsens der Themen Krisenvorsorge etc. entsteht auch mehr Sympathie für das Thema. Wenn es "Alltagstauglich" und allgegenwärtig als Normal angesehen wird, würden solch gemeinnützige Vereine von alleine Zulauf haben. In diesen Vereinen etc. können sich dann die "Profis" tummeln, Workshops organisieren (auch für die Öffentlichkeit), etc.

      Das soll Absichtlich nicht auf Bushcraft oder Bunkerbau etc. ausgerichtet sein. Genau sowas führt, m.M.n. zu mehr Ablehnung und Unverständnis in der Öffentlichkeit. Das wären Themen für die Vereine etc.
      Einfach die Basics die bei (Achtung Ragebait) "jeder Krise gleich sind".
    • Gezielte Förderungen von nützlichen Dual Use Anschaffungen.
      Bestes Beispiel wäre nicht die xte Solaranlage auf der schattigen Nordseite zu fördern sondern mal auf inselfähige Speicher umzustellen, diese würden das aktuelle Sonnenstromüberschussproblem lösen oder zumindest mildern und durch die Insel Fähigkeit bei Stromausfall auch etliche Menschen aus der akuten Notlage nehmen=> Die Masse an hysterischen Menschen, die plötzlich panisch die "Leuchttürme" stürmen würde, wäre reduziert.

      Maßnahmen zum privaten Hochwasserschutz fördern. Zum Beispiel kleine Mauern um das Grundstück / Zaunsockel . Natürlich ist mir klar dass man den Igeln und Co eine freie Wanderung bieten will, aber da kann man mit Durchlässen arbeiten, die man bei Hochwasser abschottet.
      Wasserrückhaltebecken und Löschteiche anlegen, die aktuell geringen Niederschläge zeigen das dies gar nicht so schlecht ist.

      Schulen, Krankenhäuser, Feuerwehren, Vereinsheime und ähnliche Gebäude mit Notstrom und anderen Dingen die dem Gebäude angepasst sind wie etwa Notkommunikation, Feldbetten oder Material für die dort vorhandenen Küchen ausrüsten. Etwa in der Art: Die Gaststätte im Schützenheim versorgt das Altersheim neben an und gibt einmal am Tag Eintopf aus.
      Der Bäcker X bekommt eine Förderung dafür dass er sein Mehl nicht Just in Time bestellt sondern einen 4 Wochenbedarf vorrätig hält.
      Und die Tankstelle darf beim Notstromer mit 80% Zuschuss rechnen.
      Also nicht nur einen Alibi Leuchtturmprojekt, sondern viele kleine nützliche Ameisen.
    • Radioactiveman schrieb:

      Jeder Einzelne sollte schon mal die Standards des BBK umgesetzt haben. Denn egal was wir von den Behörden fordern, auch das braucht Zeit bis es getan wird und die Helfer sind auch alles nur Menschen. Diese Zeit bis erste Hilfe kommt sollte jeder "ohne Probleme" überstehen können.
      Ja aber wie soll man diese Kognition hinbekommen, dass die Bevölkerung ins handeln kommt und vorsorgt? Es ist ja mit einem Vorrat nicht getan - Das ist ja das große Problem.

      Das mit dem Vorratspaket finde ich gut, das wäre eine Sache wo das BBK mit den Unternehmern zusammensetzen müsste. Die Frage ist hier aber wieder ob es angenommen wird, so das sich die Arbeitszeit bei der Zusammenstellung weder amortisiert.

      Radioactiveman schrieb:

      Der Staat sollte jedem ermöglichen, auch diese Standards umsetzen zu können, bzw. sollte aktiver werden um dieses Wissen zu verbreiten (siehe u.a. Später).
      Das BBK ist hier ja dran, die Frage ist nur wie kriegt man die Leute dazu das sie sich damit beschäftigen – Was könnte man hier tun.

      Radioactiveman schrieb:

      Dann ein Punkt bei dem ich mit selbst nicht so sicher bin, wie man das umsetzen könnte: Pflichtuntericht in den rudimentären Basics für Krisenfälle.
      Zum Thema Pflichtunterricht kann man festhalten das sowas denkbar ist. In den 1960/70er Jahren gab es ein sogenanntes Selbstschutzgesetz in denen die Bevölkerung zur Teilnahme an Vorsorgekursen und zur privaten Vorsorge per Gesetz verpflichtet wurde. Die Frage die sich hier stellt ist wie man das in die heutige Zeit übertragen könnte, „wobei das Thema Atomkriegsbedrohung dank Berlin wieder aktuell wird“.

      Institutionell müsste man sich hier auch neu aufstellen da die HiOrgs in diesem Kontext einfach ungeeignete falsche Träger sind meiner Erfahrung nach und dass BVS Ende der 90iger aufgelöst wurde. Somit wäre es durchaus denkbar wieder so eine Art BVS aufzubauen.

      Radioactiveman schrieb:

      Um das evtl. ein paar Prof. Bereiche zu schaffen: Geförderte Ehrenamtliche Vereine für ?Selbsthilfe?" Krisenhilfe?
      Das mit dem Verein ist eine interessante Sache. Bei der Förderung sehe ich ähnliche Bedenken wie nachfolgend beim Bodenseemann. Aber ich gebe die Frage einfach mal zurück – Was bräuchte man denn um das aus der Gesellschaft heraus zu starten und wie könnte das aussehen?

      @Bodenseemann
      Bei dem Thema PV Anlagen ist ja jeder selbst verantwortlich, die Förderung gibt es auch für Anlagen die nicht ins Netz einspeisen. Aber ja eine steuerliche Entlastung von Inselanlagen wäre ein Thema wenn man es nicht in den Kontext „Grüne Energiewende“ stellt sondern im Katastrophenvorsorge- kontext. Bei dem Thema private/gewerblich Gebäudeinfrastruktur/Ausstattung stelle ich jetzt einfach mal eine Kontroverse auf, in dem ich sage, dass dies rechtlich und steuerlich problematisch bis unmöglich wäre.

      Zum einen würde das heißen das der Staat Steuergelder in Unternehmen und Vereine investiert, Aber was passiert, wenn dieses Unternehmen Pleite geht, oder der Verein sich auflöst und die Gebäude verkauft werden und anschließend einen komplett anderen Verwendungszweck bekommen? Würde formell heißen entweder man fordert eine Rückzahlung ein oder schränkt den Verkaufsrahmen ein, was beides nicht passieren wird.

      Bei kommunalen Gebäuden ist das weniger ein Problem, aber das fällt auch nicht mehr unter Selbstschutz, sondern unter kommunale Gefahrenabwehr/Daseinsvorsorge. Ebenso das Thema Regenrückhaltebecken und Löschteiche. Das Dort auch massive Lücken sind ist bekannt, fällt aber nicht in das Thema. Mir geht es um Einzelpersonen/Familien.
      Wer anderen hat voraus gedacht, wird jahrelang erst ausgelacht - Begreift man die Entdeckung endlich, so nennt sie jeder selbstverständlich (Wilhelm Busch)