rapoloda schrieb:
Hallo ,Ich habe einen ähnlichen Lagerbestand an kaltgeschleudertem Honig hier, magst du mir mal die Anwendung erläutern? ich wuerde das gerne mal testen.
Mama hat dann das Pflaster weggemacht, sich das Elend angeguckt, die Wunde auseinandergezogen, und nochmal unter Leitungswasser gründlich gereinigt. Mit Gaze aus dem Erste Hilfe Schrank getrocknet und dann den Honig vom Teelöffel in die Wunde tropfen lassen, bis der Schnitt komplett befüllt war. Dann die Wunde vorsichtig mit ganz wenig Kraft leicht zusammengedückt, so daß ein bissy Honig als "Wurst" ca. nen 1/10 mm über die Wundränder geflossen ist. Nun den kompletten Gazeteil eines neuen Pflasters ebenfalls leicht mit Honig beträufelt und locker über die Wunde. Das kalte Wasser tat gut, das Pochen wurde schwächer. Dann wurde der Finger per Pflaster von der Rolle mit dem benachbarten Finger zusammengeklebt und so ruhiggestellt. Und ich für den Rest des Tages ins Kinderzimmer verbannt. Ich durfte im Bett ein Buch lesen, aber nicht mit der verletzten Hand irgend was arbeiten. Am nächsten Morgen wurde das Klebepflaster mit der Schere aufgeschnitten und das locker aufliegende Pflaster entfernt. Meist war dann kein heißer, roter Rand mehr um den Schnitt und der verbliebene Honig wurde schlicht abgeschleckt.
Meine Schlukameradinnen hatten immer Horrorgeschichten von Jodtinktur und kämpften tagelang mit brennenden Behandlungen.
Im Schulsport gab es dann vor 50 Jahren erstmals "Behandlungen" durch die Sportlehrer mit sowas wie Kodanspray auf aufgeschürfte Hände, Knie oder Knöchel. Das war extrtem übel. Die Wunde wurde garnicht gesäubert, nur das Spray drauf. Das hat gebrannt wie Sau. Nachdem ich gesehen hab, wie meine Freundinnen geheult haben, hab ich eine solche Behandlung immer dankend abgelehnt und bin die die Waschräume, um die aufgeschürften Stellen laaaaange unters kalte Wasser zu halten.
Konnte ich mit der Verletzung nicht die 4 km mit dem Rad nach Hause fahren, hat sich ne Freundin mein Rad geschnappt und ist zu mir nach Hause gefahren und hat meiner Mutter Bescheid gegeben. Die hat dann grummelnd das Familienauto genommen, die Freundin eingepackt und ist zur Schule gefahren um mich abzuholen. Gang ins Rektorat, "meine Tochter ist verletzt, die kommt morgen nicht zur Schule". Keine Diskussion, Feddisch. Mama war da sehr resolut.
Zu Hause kam dann bei immer noch verschmutzten Flächen ne nach Friseur stinkende, blubbrige Flüssigkeit drauf, die Staub und Fasern aus der Wunde schäumte. Das war unangenehm, aber kein Vergleich zu der Tourtur mit dem Kodanspray durch die Sportlehrer. War die Wunde sauber und trocken, wurde Gaze oder frisch gebügelte Stofftaschentücher dick mit dem Honig eingeträufelt und locker auf die betroffene Stelle gelegt. Dann ein frisch gewaschenes und gebügeltes Handtuch drumm und ab ins Kinderzimmer. Am Tag drauf durfte ich zu Hause bleiben und der Honigverband wurde nach Bedarf erneuert. Nach 24 bis 36 Stunden waren die Abschürfungen zu, nicht rot und blieben trocken. Ich mußte wieder zur Schule radeln...
Heutzutage schneid ich mich eher regelmäßig an den Blättern vom Drucker, an den Futterdosen von meinem Kater oder an Fischdosen für s Abendessen. Finger unter den Wasserhahn, bis er nimmer blutet, Honig auf ein Gazestück, locker auflegen, 2. Finger zum Fixieren mit Pflaster ohne Gaze von der Rolle festkleben und am nächsten Tag ist alles gut...
Als man mir 2021 meinen Göttergatten nach 12 Wochen Krankenhausaufenthalt mit offenen Diabetikerbeinen nach Hause brachte, hab ich mit solchen Honigverbänden innerhalb von 12 Tagen die Wunden an seinen Schienbeinen geschlossen bekommen. Unser Hausarzt war völlig von der Rolle, der traute seinen Augen kaum, als beim dritten Wochenbesuch nicht mal mehr rosa Stellen zu sehen waren.
