Chlorchemie zur Wasseraufbereitung - Gesundheitsgefahr durch Chlorate bei der Zersetzung von Calciumhypochlorid
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Hello @ all,
da es in den vergangenen Tagen sehr viel Diskussionen und HAlbwissen zum Thema Trinkwasser und dem Thema Chlorchemie gab mal ein wenig Input zum Thema der Gesundheitsgefährdung.
Calciumhypochlorid – vielen bekannt als Poolchlor oder Chlorkalk – gehört für zahlreiche Prepper zur Standardausrüstung für die Notfall-Wasserdesinfektion. Der Stoff ist kompakt lagerfähig, hochwirksam gegen Keime und im Vergleich zu flüssiger Chlorbleiche aus dem Baumarkt oder Supermarkt deutlich länger haltbar. Genau diese vermeintliche „Langzeitstabilität“ führt jedoch häufig zu einem trügerischen Sicherheitsgefühl. Denn auch Calciumhypochlorid ist kein chemisch statisches Produkt. Mit zunehmender Lagerdauer und unter ungünstigen Bedingungen kann es sich verändern – und dabei unter anderem Chlorate bilden.
Chemisch betrachtet handelt es sich bei Calciumhypochlorid um ein starkes Oxidationsmittel. In Wasser setzt es hypochlorige Säure frei, die für die Desinfektionswirkung verantwortlich ist. Dieser Wirkmechanismus macht den Stoff so wertvoll für die Trinkwasseraufbereitung..
Doch Hypochlorit-Verbindungen sind nicht unbegrenzt stabil. Wärme, Feuchtigkeit, Licht sowie Verunreinigungen beschleunigen die Zersetzung.
Im Laufe dieses Prozesses kann ein Teil des Calciumhypochlorits zu Chlorat umgewandelt werden.
Chlorate sind jedoch keine erwünschten Wirkstoffe mehr, sondern Nebenprodukte die im Körper eine entsprechende Wirkung haben. Während Calciumhypochlorit gezielt Mikroorganismen inaktiviert, tragen Chlorate nichts zur Desinfektion bei, erhöhen aber die chemische Belastung des Wassers.
Chlorat in Lebensmitteln: Risiken für öffentliche Gesundheit | EFSA
Aus gesundheitlicher Sicht sind Chlorate hochproblematisch, weil sie oxidativ auf rote Blutkörperchen wirken können. In höheren Konzentrationen besteht das Risiko einer Methämoglobinbildung, bei der der Sauerstofftransport im Blut beeinträchtigt wird. Besonders empfindlich reagieren Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere oder Personen mit bestimmten Vorerkrankungen. Auch eine Belastung von Schilddrüse dar Chlorate in den Schuldrüsenstoffwechsel eingreifen wurde beschrieben. Letzteres kennen wir ja auch von der Jodblockade - Perchlorat blockiert die Schilddrüse.
Somit können wir schon mal theoretisch davon ausgehen, das Chlorate im aufbereiteten Wasser, insbesondere bei Personen über 45 akut, problematisch werden könnten in einer Krise.
Temperaturschwankungen im Sommer und Winter, minimale Undichtigkeiten der Verpackung oder eine schleichende Feuchtigkeitsaufnahme können über längere Zeiträume chemische Veränderungen begünstigen. Ein Produkt, das zehn Jahre im Regal stand, ist unter Umständen nicht mehr mit frischer Ware vergleichbar – selbst wenn es äußerlich noch unauffällig erscheint.
Hinzu kommt, dass sich der tatsächliche Zersetzungsgrad, kaum sicher beurteilen lässt. Verklumpungen, Geruchsveränderungen oder Verfärbungen können Hinweise sein, müssen es aber nicht zwingend.
Das alles bedeutet nicht, dass Calciumhypochlorid grundsätzlich ungeeignet ist. Im Gegenteil: Richtig gelagert und innerhalb sinnvoller Zeiträume verwendet, bleibt es ein effektives Mittel zur Notfalldesinfektion. Entscheidend ist jedoch ein realistischer Umgang damit. Kühl, trocken und möglichst luftdicht gelagert verlangsamt sich die Zersetzung deutlich. Ebenso sinnvoll ist es, Gebinde zu datieren und nicht auf eine „ewige Haltbarkeit“ zu vertrauen. Eine geplante Rotation im Abstand von 2 Jahre reduziert das Risiko erheblich.
Darüber hinaus zeigt dieses Thema, wie wichtig Redundanz in der Krisenvorsorge ist. Wer sich ausschließlich auf eine chemische Lösung verlässt, schafft eine Abhängigkeit von der Stabilität genau dieses Stoffes. Mechanische Filtration, Abkochen oder UV-Desinfektion können ergänzend eingesetzt werden und verringern die Notwendigkeit hoher chemischer Dosierungen. Eine mehrstufige Wasseraufbereitung ist nicht nur mikrobiologisch sinnvoll, sondern reduziert auch mögliche Nebenproduktbelastungen.
Unterm Strich gehört Calciumhypochlorid weiterhin zu den Optionen für die Notfallvorsorge – allerdings mit dem Bewusstsein, dass chemische Stoffe altern und sich verändern. Gute Vorbereitung bedeutet daher nicht nur, Vorräte anzulegen, sondern auch ihre Stabilität, Lagerbedingungen und potenziellen Nebenwirkungen im Blick zu behalten. Wer langfristig plant, sollte auch die langfristige Chemie mitdenken.
Weitere Quellen:
Chlor im Trinkwasser: Ist Chlor schädlich oder unbedenklich?
CVUA Stuttgart | Chlorat in Trinkwasser – ...
Aus diesen Ganzen Schilderungen die ich hier jetzt zusammengefasst habe, wird ersichtlich warum Produkte aus dem Supermarkt oder Baumarkt hochproblematisch sind. Es ist völlig unklar wie und wie lange diese bereits gelagert wurden (Hersteller, Logostik und Handel) und warum man auf diese nur im Rahmen des Doomsday Preppings zurückgreifen sollte, da diese in so einen Fall die einzigen verfügbaren Stoffe wären.
Daher ist Micropur Forte auch meist nur 4-5 Jahre haltbar und haben als bei den Tabletten als Inhaltsstoff kein Calciumhypochlorit sondern Troclosen-NAtrium sowie Puffersubstanzen um die Stabilität zu erhöhen.
Ich hoffe das wird hier ersichtlich was das Problem ist.
Grüße Südprepper
da es in den vergangenen Tagen sehr viel Diskussionen und HAlbwissen zum Thema Trinkwasser und dem Thema Chlorchemie gab mal ein wenig Input zum Thema der Gesundheitsgefährdung.
Calciumhypochlorid – vielen bekannt als Poolchlor oder Chlorkalk – gehört für zahlreiche Prepper zur Standardausrüstung für die Notfall-Wasserdesinfektion. Der Stoff ist kompakt lagerfähig, hochwirksam gegen Keime und im Vergleich zu flüssiger Chlorbleiche aus dem Baumarkt oder Supermarkt deutlich länger haltbar. Genau diese vermeintliche „Langzeitstabilität“ führt jedoch häufig zu einem trügerischen Sicherheitsgefühl. Denn auch Calciumhypochlorid ist kein chemisch statisches Produkt. Mit zunehmender Lagerdauer und unter ungünstigen Bedingungen kann es sich verändern – und dabei unter anderem Chlorate bilden.
Chemisch betrachtet handelt es sich bei Calciumhypochlorid um ein starkes Oxidationsmittel. In Wasser setzt es hypochlorige Säure frei, die für die Desinfektionswirkung verantwortlich ist. Dieser Wirkmechanismus macht den Stoff so wertvoll für die Trinkwasseraufbereitung..
Doch Hypochlorit-Verbindungen sind nicht unbegrenzt stabil. Wärme, Feuchtigkeit, Licht sowie Verunreinigungen beschleunigen die Zersetzung.
Im Laufe dieses Prozesses kann ein Teil des Calciumhypochlorits zu Chlorat umgewandelt werden.
Chlorate sind jedoch keine erwünschten Wirkstoffe mehr, sondern Nebenprodukte die im Körper eine entsprechende Wirkung haben. Während Calciumhypochlorit gezielt Mikroorganismen inaktiviert, tragen Chlorate nichts zur Desinfektion bei, erhöhen aber die chemische Belastung des Wassers.
Chlorat in Lebensmitteln: Risiken für öffentliche Gesundheit | EFSA
Aus gesundheitlicher Sicht sind Chlorate hochproblematisch, weil sie oxidativ auf rote Blutkörperchen wirken können. In höheren Konzentrationen besteht das Risiko einer Methämoglobinbildung, bei der der Sauerstofftransport im Blut beeinträchtigt wird. Besonders empfindlich reagieren Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere oder Personen mit bestimmten Vorerkrankungen. Auch eine Belastung von Schilddrüse dar Chlorate in den Schuldrüsenstoffwechsel eingreifen wurde beschrieben. Letzteres kennen wir ja auch von der Jodblockade - Perchlorat blockiert die Schilddrüse.
Somit können wir schon mal theoretisch davon ausgehen, das Chlorate im aufbereiteten Wasser, insbesondere bei Personen über 45 akut, problematisch werden könnten in einer Krise.
Quelle: ua-bw.de/pub/beitrag_printvers…=7&ID=3351&Pdf=No&lang=DEUntersuchungsamt Baden-Württemberg schrieb:
Toxikologische Wirkung von Chlorat auf den Menschen
Chlorat kann sich negativ auf empfindliche Personengruppen wie Kinder, Schwangere oder Personen mit Schilddrüsenfunktionsstörungen auswirken. Der unerwünschte gesundheitliche Effekt tritt dabei durch eine reversible Hemmung der Aufnahme von Jodid in die Schilddrüse durch Chlorat ein. Neben Auswirkungen auf die Schilddrüsenfunktion kann Chlorat auch Schädigungen der Erythrocyten (Methämoglobin-Bildung, Hämolyse) bewirken. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA hat zur möglichen Abschätzung der Exposition eine tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI) von 0,003 mg/kg Körpergewicht bzw. für die akute Exposition eine ARfD von 0,036 mg/kg Körpergewicht festgelegt [4].
Temperaturschwankungen im Sommer und Winter, minimale Undichtigkeiten der Verpackung oder eine schleichende Feuchtigkeitsaufnahme können über längere Zeiträume chemische Veränderungen begünstigen. Ein Produkt, das zehn Jahre im Regal stand, ist unter Umständen nicht mehr mit frischer Ware vergleichbar – selbst wenn es äußerlich noch unauffällig erscheint.
Hinzu kommt, dass sich der tatsächliche Zersetzungsgrad, kaum sicher beurteilen lässt. Verklumpungen, Geruchsveränderungen oder Verfärbungen können Hinweise sein, müssen es aber nicht zwingend.
Das alles bedeutet nicht, dass Calciumhypochlorid grundsätzlich ungeeignet ist. Im Gegenteil: Richtig gelagert und innerhalb sinnvoller Zeiträume verwendet, bleibt es ein effektives Mittel zur Notfalldesinfektion. Entscheidend ist jedoch ein realistischer Umgang damit. Kühl, trocken und möglichst luftdicht gelagert verlangsamt sich die Zersetzung deutlich. Ebenso sinnvoll ist es, Gebinde zu datieren und nicht auf eine „ewige Haltbarkeit“ zu vertrauen. Eine geplante Rotation im Abstand von 2 Jahre reduziert das Risiko erheblich.
Darüber hinaus zeigt dieses Thema, wie wichtig Redundanz in der Krisenvorsorge ist. Wer sich ausschließlich auf eine chemische Lösung verlässt, schafft eine Abhängigkeit von der Stabilität genau dieses Stoffes. Mechanische Filtration, Abkochen oder UV-Desinfektion können ergänzend eingesetzt werden und verringern die Notwendigkeit hoher chemischer Dosierungen. Eine mehrstufige Wasseraufbereitung ist nicht nur mikrobiologisch sinnvoll, sondern reduziert auch mögliche Nebenproduktbelastungen.
Unterm Strich gehört Calciumhypochlorid weiterhin zu den Optionen für die Notfallvorsorge – allerdings mit dem Bewusstsein, dass chemische Stoffe altern und sich verändern. Gute Vorbereitung bedeutet daher nicht nur, Vorräte anzulegen, sondern auch ihre Stabilität, Lagerbedingungen und potenziellen Nebenwirkungen im Blick zu behalten. Wer langfristig plant, sollte auch die langfristige Chemie mitdenken.
Weitere Quellen:
Chlor im Trinkwasser: Ist Chlor schädlich oder unbedenklich?
CVUA Stuttgart | Chlorat in Trinkwasser – ...
Aus diesen Ganzen Schilderungen die ich hier jetzt zusammengefasst habe, wird ersichtlich warum Produkte aus dem Supermarkt oder Baumarkt hochproblematisch sind. Es ist völlig unklar wie und wie lange diese bereits gelagert wurden (Hersteller, Logostik und Handel) und warum man auf diese nur im Rahmen des Doomsday Preppings zurückgreifen sollte, da diese in so einen Fall die einzigen verfügbaren Stoffe wären.
Daher ist Micropur Forte auch meist nur 4-5 Jahre haltbar und haben als bei den Tabletten als Inhaltsstoff kein Calciumhypochlorit sondern Troclosen-NAtrium sowie Puffersubstanzen um die Stabilität zu erhöhen.
Ich hoffe das wird hier ersichtlich was das Problem ist.
Grüße Südprepper
Wer anderen hat voraus gedacht, wird jahrelang erst ausgelacht - Begreift man die Entdeckung endlich, so nennt sie jeder selbstverständlich (Wilhelm Busch)