US-DE Streit Rüstungsausgaben Verteidigungsbeteiligung

    • US-DE Streit Rüstungsausgaben Verteidigungsbeteiligung

      Themenauslagerung aus WICHTIG !!! - Eskalation im nahen Osten oder Propaganda?? (wie gewünscht)

      Kurzeinführung in das Thema:

      Im schwehlenden Streit über die niedrigen deutschen Rüstungsausgaben ist Amerika nun aktuell verärgert über das klare Nein Deutschlands zu einer Beteiligung an der US-Militärmission zum Schutz von Handelsschiffen vor iranischen Angriffen im Persischen Golf. Deshalb droht Präsident Trump nun damit, einen Teil der in Deutschland stationierten Truppen nach Polen zu verlegen.

      Wie ich bereits drüben schrieb, scheint mir diese Drohung verfehlt. Denn im Gegenteil ist die geographische Anpassung der Truppenkapazitäten an die neuen NATO-Außengrenzen dringend erforderlich. Aufgrund der dauernden russischen Luftraumverletzungen in den baltischen Republiken wird die NATO nur dann von Russland ernst genommen, wenn sie vor Ort ist und zeitnah reagieren kann.

      bonzo schrieb dazu, dass die Stationierung von Panzern und Raketenabwehr in Polen (aus derzeit in DE stationierten Kräften) ohnehin schon versprochen ist und Trump nur Erinnerungslücken hatte.

      Das Problem ist, das die Europareise des US-Präsidenten ansteht, die USA derzeit nur harte Vorteile zählen und DE solche harten Vorteile im Moment nicht zu bieten hat. Das Wehrmaterial ist kaputt, eine Steigerung der Wehrausgaben auf die geforderten 2% kommt erst in paar Jahren und deutsche Beteiligungen ans Auslandseinsätzen sind derzeit politisch nicht durchsetzbar. Für einen "good US deal" stehen wir mit leeren Händen dar.

      In Amerika gibt es aktuell 2 verschiedene Interessen. Trump will Kostenreduktion. Die Betonköpfe im Pentagon wollen den militärischen Einfluss aber ausbauen. Um eine Win-Win Situation mit unseren amerikanischen Freunden herstellen zu können, bleibt aus meiner persönliche Sicht daher nichts anderes übrig, als ihnen eine Perspektive aufzuzeigen, die sowohl günstiger zu betreiben als militärisch schlagkräftiger ist. Die US-Truppen in Europa kosten ungefähr 2,5 Milliarden $ pro Jahr. Davon macht der Logistikknoten Rammstein ca. 1 Mrd pro Jahr (nach Anzahl überschlägig zurück verteilt).

      Ich hätte einen Vorschlag, wie wir Amerika - trotz leeren Händen - einen Win-Win-Deal anbieten könnten.

      Aktuell dominante Militärstrategien hingen in der Vergangenheit im Wesentlichen von Mobilitätserrungenschaften ab. Z.B. beruhte der Blitzkrieg der Wehrmacht im 2ten Weltkrieg entscheidend auf der neuen Mobilität von Artillerie (Panzer) und Truppen (LKW-Truppentransporter). Aktuell stehen wir unmittelbar vor so einer neuen Game-Changer Mobilitätserrungenschaft. Die nächste Generation Vertical-Take-Off-Landing Transporter wird so viel Nutzlast haben, dass man Militärmaterial nicht mehr per LKW transportiert, sondern man alles gleich direkt einfliegt (Vergleiche auch Airbus Flugtaxi und Flyboard des Franzosen Zapata ).

      Das bedeutet, zukünftig werden nicht der mehr LKWs das militärische Standardtransportfahrzeug sein, sondern VTOL-Shuttles. Deshalb werden Militärstützpunkte und Kasernen in der Zukunft Vertikalflugplätze benötigen. Die aktuellen US-Stützpunkte in DE haben das nicht. Spätestens in 10 bis 15 Jahren würde millionenschwere Modernisierungen fällig. Auch der Logistiknoten Rammstein muss für die neuen VTOL-Shuttle-Flugzeuge modernisiert werden.

      Aktuell haben die USA ja die Gunst der Stunde, dass die US-Truppen - aufgrund der russisschen Luftraumverletzungen - in Osteuropa dringend benötigt werden. Polen würde 2 Millarden für eine Stationierung zahlen. Wenn man statt Rammstein einen neuen See-Luft-Logistikknoten an der polnischen Ostsee bauen würde, könnte man - bei besserer militärischer Schlagkraft - pro Jahr ca. 25% einsparen (ca. 10% durch Schifftransport statt Flugzeugtransport und weite 15% durch geringe Lohnkosten/Lebenshaltungskosten des polnischen Servicepersonals). Das wären 250 Millionen US $ Einsparung pro Jahr.

      Eine deutsche politische und wirtschaftliche Unterstützung eines - gleichzeitig modernisierenden - Umzugs nach Polen wäre Amerika sicherlich einiges wert ...
      Say your prayers little one, Don't forget, my son, To include everyone, Tuck you in, warm within, Keep you free from sin, 'Till the sandman he comes, Sleep with one eye open, Gripping your pillow tight.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von consuli ()

    • Neu

      consuli schrieb:

      ...
      Aktuell dominante Militärstrategien hingen in der Vergangenheit im Wesentlichen von Mobilitätserrungenschaften ab. Z.B. beruhte der Blitzkrieg der Wehrmacht im 2ten Weltkrieg entscheidend auf der neuen Mobilität von Artillerie (Panzer) und Truppen (LKW-Truppentransporter). Aktuell stehen wir unmittelbar vor so einer neuen Game-Changer Mobilitätserrungenschaft. Die nächste Generation Vertical-Take-Off-Landing Transporter wird so viel Nutzlast haben, dass man Militärmaterial nicht mehr per LKW transportiert, sondern man alles gleich direkt einfliegt (Vergleiche auch Airbus Flugtaxi und Flyboard des Franzosen Zapata ).

      ...
      Hallo consuli

      Auch wenn es sich womöglich nicht auf das Resultat deines Gedankenganges auswirkt möchte ich dich doch in deinem Ansatz korrigieren: Der Erfolg des "Blitzkrieges" der Wehrmacht beruhte nicht auf überlegener Mobilität (Tatsächlich waren große Teile der Wehrmacht nicht motorisiert, gerade zu Kriegsbeginn als die Blitzkriegsstrategie am Erfolgreichsten war) sondern auf fortschrittlicher Taktik und vor allem neuartiger Truppenführung (Angriff auf potentielle Schwachstellen, umgehen von Widerstand, Führen von "vorn", u.s.w...) Bei den Panzerverbänden wäre noch die bessere FührBARkeit durch die Ausstattung jedes Fahrzeugs mit Funkgerät als taktischer Vorteil zu nennen, in ihrer Kamfkraft waren die auf deutscher Seite 1939-42 verfügbaren Fahrzeuge eher durchschnittlich zu bewerten. Im Vergleich waren die Alliierten zu der Zeit in viel höherem Maße motorisiert.

      Und noch ein Gegenbeispiel: Auch die überlegene Mobilität (Luftbeweglichkeit) der Amerikaner im Vietnamkrieg konnte ihnen nicht zum Sieg verhelfen...

      Ich glaube daher nicht das VTOL-Eigenschaften allein als "Game-Changing" zu bewerten sind.
    • Neu

      Danke für Deine Antwort Trittbrettfaher.

      Trittbrettfahrer schrieb:

      Ich glaube daher nicht das VTOL-Eigenschaften allein als "Game-Changing" zu bewerten sind.
      Die aktuell dominierende Militärstrategie ist ja in etwa:
      • Zuerst Luftüberlegenheit gewinnen und feindliche Luftabwehr ausschalten
      • Dann feindliche Infrastruktur zerstören, also Flugplätze, Straßen, Eisenbahnschienen und Kraftwerke
      • Bei Nachschubüberlegenheit dann Bodentruppen angreifen lassen, die eine Front bilden, um nicht selbst vom Nachschub abgeschnitten zu werden
      Große VTOL-Transporter mit viel Nuzlast könnten dies etwa wie folgt ändern:
      • Flugplätze, Straßen, Eisenbahnschienen sind strategisch nicht mehr entscheidend. Der militärische Nachschub erfolgt aus der Luft.
      • VTOL-Transporter können fast überall landen. Eine geschlossene Front ist nicht mehr notwendig. Vielmehr werden strategische Höhen stärker umkämpft werden. Man wird versuchen Luftabwehr und Artillerie direkt auf den Berg rauf zu fliegen.
      Wäre das nicht "Game-Changing"?


      Der neue Bell-V-280 VTOL-Transporter hat eine Nutzlast von 12'000 lbs also 6 Tonnen. Noch etwas größer und man kann einen Schützenpanzer, einen Luftabwehrpanzer oder eine Haubitze damit transportieren.

      Das Ding hat auch noch kein Düsentriebwerk. Aber das Flyboard von Zapata zeigt ja, dass es durchaus möglich ist, ein Düsentrieb fein und granular steuerbar zu machen.


      Krieg wird in der Zukunft zu 2/3 in der Luft stattfinden, da bin ich mir sicher.
      Say your prayers little one, Don't forget, my son, To include everyone, Tuck you in, warm within, Keep you free from sin, 'Till the sandman he comes, Sleep with one eye open, Gripping your pillow tight.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von consuli ()

    • Neu

      All das setzt aber einen "klassischen" symmetrischen konflikt voraus, ich glaube nicht das wir den nochmal erleben werden. Die nahe vergangenheit hat gezeigt das asymmetrische und/oder hybride konflikte auf uns zu kommen (nahost, krim&ukraine, vielleicht bald hongkong...)

      Ospreys wären meiner Einschätzung nach zudem sicher überfordert mit der Menge an Material was in einem symmetrischen konflikt verlegt werden müsste (wir reden hier über tausende panzer und gepanzerte fahrzeuge)...
    • Neu

      Ja, das stimmt. Die von mir geschilderte dominante Militärstrategie beschreibt einen symmetrischen Konflikt, bei dem zwei Staaten gegeneinander kämpfen.

      Die aktuelleren Konflikte der USA waren jedoch asymmetrische Konflikte. Die US-VTOL Ospreys und deren Nachfolger wurden im Wesentlichen dafür entwickelt, um mit Spezialeinheiten in einem asymmetrischen Guerillakrieg zu operieren. Sie sind zu schwach um gepanzerte Fahrzeuge und leichte Panzer zu transportieren.

      Das bedeutet aber nicht, dass man nicht auch in einem asymmetrischen Konflikt gelegentlich Bedarf für einen ad-hoc Einsatz von stärkeren militärischen Fahrzeugen hat, wenn man denn die Möglichkeiten dazu hätte.

      Das bedeutet auch nicht, das es für die USA keine symmetrischen Bedrohungen mehr gibt (Russland, China). Wer zuerst eine übermächtige militärische Position durch größere VTOL-Transporter erlangt ...
      Say your prayers little one, Don't forget, my son, To include everyone, Tuck you in, warm within, Keep you free from sin, 'Till the sandman he comes, Sleep with one eye open, Gripping your pillow tight.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von consuli ()